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Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

01.06.2026, Universität Rostock
Innovation ohne Sex: Wie Stabschrecken Sex Schritt für Schritt verloren haben
Wie vollzieht die Evolution den Wechsel von klassischer sexueller Fortpflanzung hin zu asexueller Fortpflanzung ganz ohne Männchen? Eine neue Studie von Forschenden der Universitäten Lausanne, Lund und Rostock zeigt: Dieser bemerkenswerte Übergang kann über mehrere evolutionäre Zwischenstufen erfolgen.
Fortpflanzung ohne Männchen
Die Evolution von Sex gehört bis heute zu den größten Rätseln der Biologie. Obwohl sexuelle Fortpflanzung im Tierreich dominiert, diskutieren Forschende noch immer darüber, warum sich Sex angesichts seiner hohen evolutionären Kosten behaupten kann. Noch geheimnisvoller erscheint jedoch der Verlust von Sex zugunsten asexueller Fortpflanzung: Weibchen erzeugen Nachkommen, ohne dass Männchen beteiligt sind.
Wie die Jungfrau zum Kinde kam
Fast alle Tiere tragen zwei Kopien ihres Erbguts in sich – eine von der Mutter und eine vom Vater. Bei sexueller Fortpflanzung werden diese beiden Genome vermischt und nur eine Kopie mit mütterlichen und väterlichen Genomanteilen an die nächste Generation weitergegeben. Anders ist es bei der Parthenogenese, auch „Jungfernzeugung“ genannt: Hier können beide Genomkopien klonal von der Mutter an die Nachkommen vererbt werden – ganz ohne Vermischung oder andere genetische Veränderungen.
Fortpflanzung der Stabschrecken mit erstaunlicher Vielfalt
Doch wie geht Evolution überhaupt den Weg von Sex zu asexueller Fortpflanzung? Da solche Übergänge in der Natur nur selten direkt beobachtet werden, sind sie sehr schwer zu entschlüsseln. Für ihre Studie wandten sich die Forschenden daher einem der faszinierendsten Verwandlungskünstler der Natur zu: den Stabschrecken. Diese imitieren Zweige und Blätter mit verblüffender Präzision und verschmelzen nahezu unsichtbar mit ihrer Umgebung. Neben ihrer Fähigkeit zur Tarnung verbirgt sich hinter ihnen jedoch noch eine weitere, weniger offensichtliche, aber ebenso erstaunliche Vielfalt – ihre unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien.
Entschlüsselung evolutionärer Übergänge gelungen
Besonders ausgeprägt ist die Fortpflanzungsvielfalt bei mediterranen Stabschrecken der Gattung Bacillus. Bei ihnen nutzen selbst eng verwandte Arten sehr unterschiedliche Strategien, um Nachkommen zu erzeugen. Um die evolutionäre Geschichte der Fortpflanzungsstrategien zu rekonstruieren, analysierten die Forschenden genomische Daten von mehr als 500 Tieren, die sie über mehrere Jahre hinweg auf Sizilien, dem italienischen Festland und in Frankreich gesammelt hatten. Die Mühe zahlte sich aus: Am Ende konnten sie eine überraschend komplexe Abfolge evolutionärer Übergänge entschlüsseln.
Seltene Strategien der Stabschrecken
Die Fortpflanzung bei den Stabschrecken wurde offenbar durch einen Wechsel zu einer außergewöhnlich seltenen Strategie „gerettet“: der Hybridogenese. Bei dieser Form wird nur eines der beiden elterlichen Genome – hier das mütterliche – klonal weitergegeben. Das väterliche Genom wird in jeder Generation während der Bildung der Eizellen entfernt und anschließend durch die Paarung mit Männchen der väterlichen Art wieder ergänzt. Die Hybride „nutzen“ dabei gewissermaßen das Sperma dieser Männchen, um ihren besonderen genetischen Hybridzustand aufrechtzuerhalten.
Viele Generationen später entstand aus der Hybridogenese schließlich die Parthenogenese. Nun wurden plötzlich beide elterlichen Genome unverändert weitervererbt. Doch selbst damit war die Geschichte noch nicht zu Ende: Später integrierte die Linie durch erneute Paarungen sogar ein drittes Genom einer weiteren Art – und es entstanden parthenogenetische Linien mit gleich drei unterschiedlichen Genomen.
Kreuzungsexperimente über mehrere Jahre
Das Forschungsteam konnte mehrere dieser Übergänge experimentell im Labor nachstellen und zeigen, dass der rekonstruierte evolutionäre Weg biologisch tatsächlich möglich ist. Keine kleine Leistung: Stabschrecken benötigen etwa ein Jahr pro Generation, weshalb sich die Kreuzungsexperimente über mehrere Jahre erstreckten.
Vom Feld ins Labor
„Was dieses System so faszinierend macht, ist, dass wir jede einzelne evolutionäre Übergangsphase, die wir aus den Wildpopulationen rekonstruiert hatten, im Labor nachbilden konnten“, erklärt Co-Erstautor Guillaume Lavanchy von der Universität Lund in Schweden. „Jeder Übergang scheint den Boden für den nächsten bereitet zu haben.“
Asexuelle Fortpflanzung gilt oft als evolutionäre Sackgasse. Schließlich bringt sie zahlreiche Nachteile mit sich – etwa die Anhäufung schädlicher Mutationen oder eine geringere Anpassungsfähigkeit. Die neuen Ergebnisse zeichnen jedoch ein anderes Bild: Hybridisierung und der Verlust von Sex könnten neue Möglichkeiten eröffnen und sogar weitere evolutionäre Innovationen fördern.
Grundlage für Verständnis asexueller Fortpflanzung gelegt
Tanja Schwander, Letztautorin der Studie und Professorin am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Lausanne, fasst zusammen: „Die Stabschrecken zeigen eindrucksvoll, wie eine einzige genomische Veränderung – in diesem Fall eine Hybridisierung kombiniert mit dem Verlust von sexueller Fortpflanzung – eine ganze Kette evolutionärer Innovationen in Gang setzen kann.“
Alexander Brandt, Erstautor der Studie von der Universität Rostock, betont abschließend die offenen Fragen: „Die unmittelbaren molekularen Ursachen hinter diesen Übergängen sind bislang noch weitgehend ungeklärt. Für uns Forschende hat die eigentliche Arbeit zum Verständnis der Evolution asexueller Fortpflanzung gerade erst begonnen.“
Originalpublikation:
Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences: https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2535700123 Weiterlesen

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Portrait: Südafrikanisches Stachelschwein

Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Hystricognathi
Familie: Stachelschweine (Hystricidae)
Gattung: Eigentliche Stachelschweine (Hystrix)
Art: Südafrikanisches Stachelschwein (Hystrix africaeaustralis)

Südafrikanisches Stachelschwein (Zoo Prag)

Das Südafrikanische Stachelschwein ist das größte Nagetier Afrikas und hat eine Kopf-Rumpf-Länge von 63 bis 80 Zentimeter mit einem Schwanz von 10,5 bis 13 Zentimetern Länge. Die Tiere wiegen etwa 10 bis maximal 24 Kilogramm, wobei die Weibchen deutlich schwerer werden als die Männchen (bis maximal 18 Kilogramm). Ein darüber hinausgehender ausgeprägter Sexualdimorphismus ist nicht vorhanden, die Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich also nicht. Die Hinterfußlänge beträgt 89 bis 102 Millimeter, die Ohrlänge 39 bis 41 Millimeter.
Die Tiere sind stämmig gebaut, mit relativ kurzen Beinen und kurzen, im Stachelkleid versteckten Schwänzen. Auf dem Kopf befinden sich kurze, braune Borsten sowie dicke, bewegliche Vibrissen. Die Augen sind klein und liegen weit hinten am Kopf, die Ohren sind unauffällig. Der Körper ist wie bei allen Stachelschweinen mit einem typischen Stachelkleid aus umgewandelten Haaren bedeckt. Es besteht aus borstigen Haaren, langen Stacheln (bis zu 50 cm lang), kräftigen Verteidigungsstacheln (bis zu 30 cm lang) und abgeflachten, borstigen Haaren.
Von dem Gewöhnlichen Stachelschwein (Hystrix cristata) unterscheidet sich das Südafrikanische Stachelschwein neben der Gesamtgröße vor allem durch die Größe der Schwanzquaste und die Färbung des Stachelkleides. Die Stachelfärbung des Rumpfes erscheint mehr weiß als schwarz und die Unterseite der Schwanzquaste ist weiß.
Die Weibchen haben im Thoraxbereich zwei bis drei Paar Zitzen, im Lendenbereich keine. Das Genom des Südafrikanischen Stachelschweins besteht ebenso wie das des Gewöhnlichen Stachelschweins aus 2n = 66 Chromosomen. Weiterlesen

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Portrait: Zebraschwanzleguan

Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
ohne Rang: Toxicofera
ohne Rang: Leguanartige (Iguania)
Familie: Phrynosomatidae
Gattung: Callisaurus
Art: Zebraschwanzleguan (Callisaurus draconoides)

Zebraschwanzleguan (Zoo Prag)

Zebraschwanzleguane können bis zu 23 Zentimeter lang werden, bleiben jedoch meist kleiner. Charakteristisch für die Art ist der schwarz-weiß geringelte Schwanz. Die Zeichnung ist auf der Unterseite stärker als auf der Oberseite. Ansonsten sind die Tiere von grauer bis hell braungelber Farbe. Die Unterseite ist weiß, auf dem Rücken haben sie kleine, paarige dunkle Flecken. Die Männchen haben in der Körpermitte an den Flanken eine blaue Zone mit zwei schwarzen Bändern. Die Schuppen der Gitterschwanzleguane sind körnig, an der Kehle haben die Tiere zwei Querfalten. Ihre Ohröffnungen sind deutlich sichtbar. Weiterlesen

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Portrait: Schildturako

Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Turakos (Musophagiformes)
Familie: Turakos (Musophagidae)
Gattung: Helmturakos (Tauraco)
Art: Schildturako  (Tauraco violaceus)

Schildturako (Tierpark Hellabrunn)

Der Schildturako ist 45–50 cm groß und wiegt um die 360 g. Schnabel, Augenpartie, obere Ohrdecken, Scheitel und Nacken sind karminrot mit kurzen samtigen Federn. Der Augenring ist etwas heller rot. Vom Schnabelwinkel zieht unter dem Auge bis zu den unteren Ohrdecken ein breiter weißer Streifen. Auffallend ist der vom Oberschnabel beginnende massive gelbe knöcherne Frontalschild über Stirn bis zum Scheitel reichend. Kehle, Kinn und hinterer Nacken sind glänzend blau-schwarz bis -violett. Rücken und Flügeldecken sind blauviolett, der Schwanz hat einen leichten grünen Hauch. Die Unterseite ist blau-schwarz kräftig mit moosgrün überhaucht. Die Handschwingen und äußeren Armschwingen sind karminrot mit braunen Spitzen. Die Augen sind dunkelbraun mit unbefiedertem Augenring. Beine und Füße sind schwarz oder grünlich-schwarz. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Jungvögel sehen krähenartig aus ohne auffallende Kopf- und Schnabelform, noch ohne Frontalschild und schwärzlichem Schnabel. Weiterlesen

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Der Newsletter des Augsburger Zoos

Normalerweise ist der monatliche Newsletter des Augsburger Zoos Teil der Zoopresseschau.
Philipp Wagner ist seit Kurzem (1. Mai) der Nachfolger von Barbara Jantschke und sein erster Newsletter sprengt den Rahmen der Zoopresseschau gewaltig, ist aber höchst interessant (und anders als man es von den bisherigen Newslettern kennt, mal schauen ob dieser Weg beibehalten wird)- Weiterlesen

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TTT: 10 Sachbücher (oder Biografien) die dir gefallen haben – oder mich interessieren würden

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Louise K. Blight: Die Pinguinforscherin (Rezension)

Tief in der eisigen Abgeschiedenheit der Antarktis arbeitet die Naturschutzbiologin Louise Blight in einer kleinen Forschungsstation – umgeben von Schnee, Stille und unzähligen Pinguinen. Zwischen Kälte und Wind und der endlosen Weite beobachtet sie das Verhalten der Tiere: wie sie im Schneetreiben brüten, unbeholfen über das Eis watscheln, wie ihre schwarzen Knopfaugen ruhig in die Welt blicken. Mit feinem Gespür erzählt Blight vom Leben am Rand der Welt: von langen Tagen voller Forschung, unerwarteten Begegnungen und stillen Momenten mit Tieren, die ihr ans Herz gewachsen sind. Ihre Geschichten zeigen, wie tief die Verbindung zwischen Mensch und Natur sein kann – und wie heilend sie wirkt. Weiterlesen

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Tierstudien: De-Koloniale Tiere (Rezension)

Tiere spielen eine zentrale Rolle in der Geschichte des Kolonialismus, sowohl in der historischen Aneignung fremder Gebiete, in Methoden kolonialer Erschließung und Ausbeutung als auch im Export kolonialer ‚Güter‘ in die europäischen Staaten und in der dortigen Darstellung der Kolonialgebiete. Sie tauchen in Reise- und Jagdberichten, Fotografien, Spielfilmen und nicht zuletzt in Zoos auf. Zugleich sind im Zuge des Kolonialismus auch Tiere auf eine vorher nicht gekannte Weise global mobil geworden und in Gegenden gebracht worden oder selbst eingewandert, die ihren ursprünglichen Verbreitungsgebieten fern lagen. Das hat nicht nur zu einer Veränderung der lokalen Fauna geführt, sondern auch zu veränderten sozialen und kulturellen Strukturen in Kolonialgebieten, zu veränderten Mensch-Tier-Verhältnissen.
Dieser Tierstudien -Band versammelt mit Kaninchen, Giraffen, Straßenhunden, Papageien, Walen, Jaguaren, Bisons, Schlangen, Pferden, Tigern und fantastischen Mischwesen eine vielgestaltige Kartografie tierlicher Präsenz im Kontext kolonialer, neokolonialer und dekolonialer Machtverhältnisse. Die Beiträge zeigen Tiere als Jagdtrophäen, modische Luxusartikel, Rohstoffe, Archiv- und Wissensobjekte sowie Projektionsflächen, aber auch als widerständige Akteur*innen, die koloniale Ordnungen irritieren und durchkreuzen. Die Texte fragen, wie Tiere in kolonialen Kontexten genutzt, verschleppt, klassifiziert und ausgebeutet wurden – und wie diese Logiken bis heute fortwirken. Zugleich untersuchen sie Spannungen dekolonialer Praxis: zwischen Fürsorge und Gewalt, zwischen indigenem Wissen und seiner Aneignung. So entsteht ein facettenreiches Panorama, das Tiere nicht nur als Opfer, sondern als zentrale Figuren (de-)kolonialer Geschichte sichtbar macht, und es werden – insbesondere durch die künstlerischen Positionen – neue Perspektiven auf ein mehr-als-menschliches Zusammenleben eröffnet.
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Leonie Swann: Widdersehen (Rezension)

Als ihre Schäferin Rebecca urplötzlich die Europareise abbricht und die Herde rund um Miss Maple zurück in irische Gefilde führt, sind die Schafe zunächst optimistisch wie Frühlingslämmer. Denn wo könnte es schöner sein als auf der Heimatweide? Auch der jüngste Zuwachs ist gespannt – Madouc, offiziell Ziege, inoffiziell »Schaf auf Probe«, hofft auf viele neue Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Schafe. Kaum dort angekommen, ist das Bedauern jedoch groß: Die geliebte Weide ist gar nicht mehr so schön, wie sie es in der Erinnerung war, und obendrein haben drei fremde Schafe mit seltsamen Namen alle Lieblingskräuter weggeknabbert. Als wäre das nicht schon genug, ist Rebecca plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Zurückgeblieben ist nur ein einzelner Finger (kein guter Anfang) und ein geheimnisvoller Brief, aus dem sich die Schafe mangels Vorlesemenschen keinen Reim machen können. Die Herde befürchtet das Schlimmste. Es ist völlig klar: Sie müssen ihre verschollene Hirtin retten. Unversehens finden sie sich in einem Familiendrama wieder, und einmal mehr zeigt sich: Alles ist zu meistern – man braucht nur genügend Wollensstärke! Weiterlesen

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Cecilia Davidsson/Alex Haridi/Maya Jönsson: Die Mumins und der verbotene Park (Rezension)


Die Mumins sind nicht tot zu kriegen. Und das ist auch gut so. Ich habe sie schon in meiner Kindheit geliebt und irgendwie mag ich sie heute noch… Besonders die polnische Fernsehserie Ende der 70er hat es mir angetan. Ich fand die Machart schon sehr ungewöhnlich und manchmal auch beängstigend… und auch die Erzählweise (in der deutschen Fassung war es Hans Clarin, der die gesamten Folgen sprach). Irgendwie faszinierend, ebenso wie die Version der Augsburger Puppenkiste. Weniger beeindrucken konnten mich die anderen Versionen des Stoffs. Weiterlesen

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